bewegende Rede von BM Conzen zum Todestag Joachim Erwins

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bewegende Rede von BM Conzen zum Todestag Joachim Erwins

28.05.2018

auf vielfache Nachfrage finden Sie hier die Rede des Bürgermeisters Friedrich Conzens zum 10. Todestag Joachim Erwins zum Nachlesen:

Liebe Hille, liebe Familie Erwin,

liebe Parteifreunde,

sehr geehrte Damen und Herren,

es vergeht kaum eine Woche, in der ich mich nicht frage, wie unsere Stadt sich entwickelt hätte, wenn Joachim Erwin noch bei uns wäre.

Wir alle kennen die Antwort: Düsseldorf hätte sich weiter aufwärts entwickelt.

Am 20. Mai 2008 haben wir einen großartigen Oberbürgermeister verloren und einen Kommunalpolitiker, dem selbst seine Gegner größten Respekt entgegenbrachten.

Weil er keinem Konflikt auswich, weil er jede politische Auseinandersetzung immer mit offenem Visier ausgefochten hat. Bei diesen Kämpfen stand für ihn nie das eigene, sondern immer das Gemeinwohl im Vordergrund.

Er machte keine Klientelpolitik, sondern er wollte allen Düsseldorferinnen und Düsseldorfern etwas Gutes tun. Jeder Bevölkerungsgruppe wollte er etwas bieten und sie an der positiven Entwicklung ihrer Stadt teilhaben lassen.

Sein Geschenk an alle Menschen in Düsseldorf war die Schuldenfreiheit, die Joachim Erwin vor allem durch den geschickten Verkauf von Stadtwerke-Anteilen und auch RWE-Aktien erreichte. Damit schuf er den finanziellen Spielraum für viele wichtige Investitionen in fast allen Bereichen.

Spielplätze, Stadtteilbüchereien, Sport, Feuerwehr, Friedhöfe, Jugendhilfe und Kindertagesstätten, Reduktion des Straßenlärms, Grünpflege: Für fast alle Themen schuf Erwin als Oberbürgermeister Masterpläne. Seine Politik war transparent und sie hatte System. Jeder Masterplan gab öffentlich ganz klar Auskunft darüber, welche Meilensteine bis zum Ziel zu erreichen waren.

Erwins Politik mit Vernunft und Augenmaß ist das genaue Gegenteil einer Cowboy-Politik, bei der Ideen spontan abgefeuert werden, ohne zu bedenken, ob der Schuss auch nach hinten losgehen könnte.

Schnellschüsse dieser Art hat sich Joachim Erwin nicht erlaubt. „Ich bin kein Vabanque-Spieler, sondern nur ein kleiner Verwaltungsangestellter der Stadt, der sich verantworten muss“, sagte er 2001 in einem Interview zur heutigen Arena. Doch diese Demut schloss nicht aus, dass unser ehemaliger OB gleichzeitig ein Visionär war. Seine Ideen waren und sind eine Inspirationsquelle für alle nachfolgenden Oberbürgermeister.

2006 fand zum ersten Mal die Quadriennale statt, ein großes Fest der Bildenden Kunst. Denn Erwin wusste um die besondere Wirkung von Kunst und Kultur, mit der er Besucher von nah und fern nach Düsseldorf holte. Die Musen als Magnet für das Stadtmarketing: Erwin erkannte dies schon vor über zehn Jahren als attraktive und wirksame Strategie. Mit der Wehrhahn-Linie hat er zudem ein einzigartiges und international anerkanntes Zusammenspiel aus Kunst und Architektur geschaffen.

Während seiner neun Jahre als Oberbürgermeister ist Düsseldorf aufgeblüht. Doch dieser Prozess war kein langsames Knospen, sondern im Rekordtempo reifte unser Dorf an der Düssel zur erfolgreichen Großstadt mit internationalen Verbindungen bis hin zur chinesischen Multimillionenstadt Chongqing.

Diese hohe Geschwindigkeit war das Ergebnis des Schrittmachers an der Spitze, der seinem Team und sich selbst ganz selten eine Pause gönnte. Dabei stand seine Mannschaft im Büro OB immer geschlossen hinter ihm.

Von früh morgens bis spät abends war Joachim Erwin als Oberbürgermeister im Einsatz. Morgens hatte er schon alle Zeitungen gelesen, auf dem Laufband informierte er sich nebenbei über das Geschehen in der Welt. Ein 14-Stunden-Tag im Rathaus war für ihn Standard. Und sein Dienstwagen war ein Büro auf vier Rädern: voller Unterschriften- und Postmappen, die er auf der Fahrt bearbeitete. Jede Minute nutzte er sinnvoll. Denn trotz seiner Krankheit hatte er noch so viel vor!

Seine Funktion als Oberbürgermeister legte er nie ab wie einen lästig gewordenen Mantel. Wenn er durch die Straßen der Altstadt ging, dann hatte er immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger. Er konnte auf Menschen zugehen und liebte die Begegnung mit ihnen. Vor allem Kinder lagen ihm sehr am Herzen. Deshalb stand er an St. Martin am Eingang des Ältestenratssaales, um die Tüten mit den Leckereien selbst an die Mädchen und Jungen zu verteilen.

Das Rathaus war für ihn kein Elfenbeinturm, in dem er am liebsten seine Ruhe hatte, sondern die gute Stube der Stadt, die für alle geöffnet war, und ein politisches Schaltzentrum, in dem er sich mit den Düsseldorferinnen und Düsseldorfern immer verbunden fühlte. Ihre Sorgen und Wünsche nahm er ernst.

Da konnte es auch passieren, dass er um 23.15 Uhr auf die Autobahn Richtung Flughafen fuhr, um die Wirkung der dortigen Lärmschutzwand zu prüfen. Oder er fuhr zur Arena-Baustelle, um zu schauen, wie die Arbeit dort voranging. Und in den Sommerferien tauchte er ohne Vorankündigung in einer Bezirksverwaltungsstelle auf, um die Mitarbeiter zu fragen: „Woran arbeiten Sie denn gerade?“

Jeden im Rathaus kannte er mit Namen. Und dies war nicht nur die Gnade eines guten Gedächtnisses. Das Wohl jedes einzelnen Menschen zählt – das war Joachim Erwins grundlegende Überzeugung, die ihm Bodenhaftung verlieh.

„Was meinst Du dazu?“ war eine Frage, die ich oft von ihm gehört habe. Auch wenn er selbst genau wusste, was er wollte, hat er sich die Meinung anderer angehört. Danach konnte es durchaus passieren, dass er seinen Kurs änderte. Denn er wollte auf jeden Fall das Richtige tun für Düsseldorf.

Joachim Erwin hat seine Heimatstadt Düsseldorf von ganzem Herzen geliebt. Die Spuren dieser Liebe können wir an vielen Stellen dieser Stadt Tag für Tag finden und erleben.

Für seinen beispiellosen Einsatz als Oberbürgermeister werde ich ihm immer dankbar sein.

Lassen Sie uns nun in Dankbarkeit seiner in Stille gedenken.