Bürgerversammlung mit Minister Laumann: Pflege lebenswert gestalten

Aktuelle Grösse: 100%

Bürgerversammlung mit Minister Laumann: Pflege lebenswert gestalten

v.l.n.r.: Marco Schmitz MdL, Hanno Bremer, Minister Laumann, Angelika Penack-Bielor
02.02.2018
NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann referierte am 17. Januar auf Einladung der CDU-Ortsverbände Gerresheim und Grafenberg in der Seniorenresidenz Grafenberg über die Zukunft der Pflege.
Die Gerresheimer und Grafenberger CDU-Ortsverbände laden zweimal im Jahr zu einer Bürgerversammlung über aktuelle politische Themen ein. Auch diesmal war die Runde zum Thema Pflege gut besucht. Die Zahl der Pflegebedürftigen werde durch die geburtenstarke Jahrgänge in den nächsten Jahren um 2 bis 3 Prozent zunehmen, erklärte Laumann. Dies stelle die Pflegeversicherung vor zwei Herausforderungen: Erstens genügend Pflegekräfte zu finden und zweitens müsse die Politik die Mittel dorthin bringen, wo sie benötigt werden.
3 Milliarden Euro seien allein für eine bessere Versorgung von Demenzkranken bereitgestellt worden, zählte Laumann auf. Pro 20 Pflegebedürftige werde jede Station eine Betreuungskraft bekommen, die über die Pflegekasse finanziert wird. Bei der häuslichen Pflege werde es einen zusätzlichen Leistungsanspruch für die Tagespflege geben. Durch den Rentenanspruch für pflegende Familienangehörige erhalten diese Punkte in der Rentenversicherung.
Auf der anderen Seite habe sich für das Pflegepersonal nicht sehr viel verbessert. Der Pflegeschlüssel sei in den Bundesländern sehr unterschiedlich, dabei stehe NRW noch im oberen Drittel bei der Bezahlung. Mit einer Ausbildungsvergütung von 1.100 Euro sei man hierzulande gut aufgestellt. Um den Bedarf an Pflegekräften zu decken müsste auch die Anerkennung ausländischer Staatsexamen beschleunigt werden. Laumann erhofft sich durch eine generalistische Ausbildung der Pflegekräfte in der Alten- und Krankenpflege mit gleichem Lohn eine Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs.
Laumann möchte außerdem den Einfluss der Pflegekräfte durch eine Selbstverwaltung stärken. Deshalb sollen alle Pflegekräfte in NRW befragt werden, ob sie eine eigene Pflegekammer haben wollen. Diese Pflegekammer soll für die Anerkennung der Staatsexamen selbst verantwortlich sein. Im gemeinsamen Bundesausschuss, der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland, könnten die Pflegekammern mit rund 1,2 Millionen Mitgliedern die stärkste Fraktion stellen und ein gewichtiges Wort mitreden.
Außerdem strebt Laumann eine Trennung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) von den Krankenkassen an. Der MDK ist für die Pflegebegutachtung zuständig, er wird durch eine Umlage aller Krankenkassen im Land finanziert. »Ich habe den Eindruck, dass es zwischen dem MDK und den Krankenkassen Zielvereinbarungen gibt«, so Laumann. Der MDK Laumann ist dagegen für eine unabhängige Trägerschaft des MDK zum Beispiel als eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Vertrauen entstehe nur durch Transparenz, betonte Laumann. Der MDK solle nicht Angst und Schrecken verbreiten, wenn er ins Heim komme, sondern die Bedürftigkeit individuell und unbefangen ermitteln.
 
Text & Foto: Norbert Opfermann